Wir verwenden funktionale und anonyme analytische Cookies, um sicherzustellen, dass unsere Website ordnungsgemäß funktioniert und um Einblicke in ihre Nutzung zu erhalten. Darüber hinaus setzen wir Cookies von Drittanbietern ein, um personalisierte Werbung anzuzeigen und Funktionen für soziale Medien anzubieten.
Wenn Sie auf „Akzeptieren“ klicken, akzeptieren Sie alle Cookies, einschließlich der Cookies von Dritten. Wenn Sie auf „Ablehnen“ klicken, akzeptieren Sie nur funktionale und anonyme analytische Cookies. Klicken Sie auf „Einstellungen anpassen“, um Ihre Cookie-Einstellungen anzupassen und mehr über unsere Datenschutz- und Cookie-Richtlinien zu erfahren.
Zirkuläre Architektur: Ressourcenschonend bauen für die nächste Generation
Mit Circular Economy zum zukunftsfähigen Gebäudedesign: Wie Kreislaufprinzipien die Bauindustrie verändern
Zirkuläres Bauen denkt Gebäude nicht als Wegwerfprodukte, sondern als Teil eines Kreislaufs. Am Ende ihrer Nutzungszeit sollen sie nicht abgerissen und entsorgt, sondern sortenrein zerlegt werden können. Möglich machen das die Rückbaubarkeit und der Einsatz von Materialpässen, die genau dokumentieren, welche Rohstoffe verbaut wurden – vom Betonblock bis zur Schraube. So wird jedes Haus zu einem „urbanen Rohstofflager“.
Strategischer Blick
von der Triodos Bank Redaktion
Foto: Beim Innenausbau des Impact Hub Berlin kamen größtenteils wiederverwendete und ressourcenschonende Materialien zum Einsatz.
“Die ganze Einstellung zur Bauwirtschaft ist nach wie vor linear – wir denken an einen unerschöpflichen Planeten. Wäre es gängige Praxis, könnte jedes künftige Ende eines bestehenden Gebäudes zum Neuanfang des nächsten werden.”
Barbara Buser, Pionierin der baulichen Kreislaufwirtschaft in der Schweiz im Interview mit dem Magazin Cradle
Statt Abrissbirne und Deponie setzt die Kreislaufidee auf Modularität und Flexibilität: Gebäude, die sich an neue Bedürfnisse anpassen lassen, indem Räume erweitert, Module versetzt oder Fassaden ausgetauscht werden. Baustoffe und -elemente werden so nicht nach zu kurzer Lebensdauer zu teurem Abfall, sondern behalten langfristig ihren Wert .
Denn die Lebensdauer spielt eine zentrale Rolle: Resilient, wartungsarme Konzepte gewährleisten, dass Gebäude und damit die verbauten Materialien möglichst lange genutzt werden können. Ergänzt wird das Ganze durch einen sparsamen Umgang mit Energie und Ressourcen – beim Bau, im Betrieb und später beim Rückbau.
Die Praxis zeigt bereits, wie das funktioniert: Gebäude, die komplett verschraubt statt verklebt sind und sich so mühelos demontieren lassen. Oder modulare Systeme, bei denen Fassaden- und Raumelemente flexibel neu kombiniert werden können.
Impact Hub Berlin: Kreislaufwirtschaft im Bestandsgebäude
Der Impact Hub Berlin zeigt, wie zirkuläres Bauen in die Praxis umgesetzt werden kann. In einer ehemaligen Lagerhalle entstand ein Co-Working-Space, dessen Innenausbau zu rund 70 Prozent aus recycelten oder nachhaltigen Materialien besteht. Viele Bauteile, wie Ziegel, MDF-Platten oder Möbel, wurden von anderen Baustellen oder Räumungen übernommen und neu kombiniert. Die Planung folgte dem Prinzip „Design by availability“: Verwendet wurde, was verfügbar war und den Anforderungen entsprach.
Tagsüber arbeiten im Impact Hub Unternehmen und Start-ups mit Fokus auf Kreislaufwirtschaft – der Space versteht sich als Hub speziell für die Circular Economy. Die gemeinschaftlichen Freiflächen und Terrassen werden abends und am Wochenende von den Bewohner:innen der anderen Etagen mitgenutzt. So verbindet das Gebäude Arbeitswelt und Wohnen und schafft einen Ort, an dem nachhaltige Nutzung von Raum und Ressourcen gelebt wird.
Das Ziel ist klar: CO₂-Emissionen reduzieren und durch Bestandserhalt endliche Rohstoffe wie Sand, Stahl oder Kies schonen, indem Neubauten so geplant werden, dass sie zu Rohstoffdepots der Zukunft werden.
Die Triodos Bank Zentrale in Driebergen-Rijsenburg zeigt in der Praxis, wie so ein Projekt umgesetzt werden kann. Mitten in einem Naturschutzgebiet erhebt sich das 12.500 Quadratmeter große Hauptquartier, entworfen von RAU Architects und Ex Interiors.
Das Gebäude kombiniert innovative Technologien für nachhaltigen Betrieb und Energieeffizienz: Auf dem Parkhausdach erzeugen Photovoltaikanlagen Strom, während Wärmepumpen und ein unterirdisches Speicher¬system Wärme und Kälte bereitstellen. Smart-Building-Systeme regeln Beleuchtung und Raumklima automatisch, und über 100 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge mit bidirektionalem Management machen das Gebäude fit für die Mobilität der Zukunft.
Die drei transparenten Türme der Bank orientieren sich an den Flugbahnen von Fledermäusen und fügen sich in die Landschaft ein, ohne die Baumgrenze zu überschreiten. Großzügige Glasfassaden schaffen helle Arbeitsplätze und ermöglichen 360-Grad-Blicke in die Natur. Innen sorgen pilzförmige Holzstützen für eine fast kathedralenartige Atmosphäre.
Die Triodos Bank Zentrale in Driebergen-Rijsenburg zeigt in der Praxis, wie so ein Projekt umgesetzt werden kann. Mitten in einem Naturschutzgebiet erhebt sich das 12.500 Quadratmeter große Hauptquartier, entworfen von RAU Architects und Ex Interiors.
Das Gebäude kombiniert innovative Technologien für nachhaltigen Betrieb und Energieeffizienz: Auf dem Parkhausdach erzeugen Photovoltaikanlagen Strom, während Wärmepumpen und ein unterirdisches Speicher¬system Wärme und Kälte bereitstellen. Smart-Building-Systeme regeln Beleuchtung und Raumklima automatisch, und über 100 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge mit bidirektionalem Management machen das Gebäude fit für die Mobilität der Zukunft.
Die drei transparenten Türme der Bank orientieren sich an den Flugbahnen von Fledermäusen und fügen sich in die Landschaft ein, ohne die Baumgrenze zu überschreiten. Großzügige Glasfassaden schaffen helle Arbeitsplätze und ermöglichen 360-Grad-Blicke in die Natur. Innen sorgen pilzförmige Holzstützen für eine fast kathedralenartige Atmosphäre.
Ressourcen schonen, Charakter erhalten
Doch die Triodos Bank baut nicht nur nachhaltig, sondern unterstützt auch Projekte, die sich dem zirkulären Bauen und dem Erhalt vorhandener Bausubstanz verschrieben haben.
Das Goerzwerk in Berlin ist ein Beispiel für zirkuläres Bauen im Bestand.
Zirkuläres Bauen mit altem Baubestand setzt darauf, die vorhandenen Strukturen eines Gebäudes bewusst zu nutzen und weiterzuentwickeln, anstatt sie abzureißen. Dabei wird die ursprüngliche Bausubstanz erhalten und aufgewertet, sodass historische Elemente und der Charakter des Gebäudes sichtbar bleiben.
Alte Materialien wie Holz, Ziegel oder Stahl werden nach Möglichkeit wiederverwendet oder neu integriert, wodurch Ressourcen und Energie geschont werden. Gleichzeitig eröffnet dieses Vorgehen die Chance, das Gebäude an moderne Anforderungen anzupassen, ohne seine Geschichte zu verlieren. Zirkuläres Bauen verbindet somit Nachhaltigkeit mit kulturellem Bewusstsein: Es schafft Räume, die funktional, umweltfreundlich und zugleich atmosphärisch lebendig sind.
Das Goerzwerk: aus Alt mach Neu
Ein Interview mit Silvio Schobinger, der als Immobilienfachmann und Geschäftsführer mit Empathie die Verantwortung für sämtliche Belange im Goerzwerk trägt.
Vor zehn Jahren haben Sie das Gelände des Goerzwerk erworben. Warum haben Sie sich dafür entschieden, zu restaurieren und nicht einfach neu zu bauen?
Das Goerzwerk hat mir auf Anhieb gut gefallen. Es hat Charakter, Charme und eine beeindruckende, sehr coole Altbausubstanz. Abriss und Neubau wären nicht nur teurer, sondern auch ökologisch unsinnig gewesen. Stattdessen haben wir das Bestehende genutzt, aufgewertet und die historische Struktur sichtbar gemacht. Das ist Teil unseres Konzepts: zurückbauen, freilegen und wertschätzen. Zum Beispiel ging es uns bei den vorhandenen Holzbetonfußböden darum, sie in unterschiedlichen Farben und Ausführungen wieder hervorzuholen. Mir persönlich liegt es ohnehin mehr, Bestehendes weiterzuentwickeln, als neu zu bauen.
Welche Vision verfolgen Sie?
Aus einem abgeschlossenen Gewerbekomplex ist in zehn Jahren ein pulsierender Ort für Arbeit, Begegnung und Gemeinschaft entstanden. Von Anfang an stand das Goerzwerk für Fairness und Nachhaltigkeit.
Aktuell liegt der Fokus auf der energetischen Sanierung: Eine große PV-Anlage, moderne Heiz- und Klimasteuerung sowie effiziente Versorgungssysteme sollen das über einhundert Jahre alte Industriedenkmal fit für die Zukunft machen und Geschichte mit Moderne verbinden.
Was bedeutet es für Sie, Nachhaltigkeit zu leben?
Immobilien werden ja in der Regel gebaut, um ewig zu halten, nahezu zumindest. Und wenn sie vernünftig begleitet, betreut und gepflegt werden, dann tun sie das auch. Von daher wäre es schon merkwürdig, als Immobilienfachmann nicht nachhaltig zu denken. Mit Achtsamkeit die Kosten von Lebenszyklen sowie Energieverbräuche zu analysieren, macht für mich einfach Sinn. Es gibt für uns Menschen ja nur diesen einen Planeten. Ohne den wird’s für meine Kinder echt schwierig und erst recht für deren Kinder. Von daher sollte Nachhaltigkeit das oberste Gebot der Vernunft sein. Ich will nicht sagen, dass ich das in allen Lebensbereichen sehr konsequent umsetze, aber ich bemühe mich durch mein unternehmerisches Tun, beispielsweise durch meine Beschäftigung mit erneuerbaren Energien, Defizite zu kompensieren.
Welche Lehren ziehen Sie aus den letzten zehn Jahren?
Das wichtigste Learning: Nachhaltige Beziehungen sind die Basis für alles. Fairer Umgang, Vertrauen und Gemeinschaft prägen die Kultur des Goerzwerk und zahlen sich langfristig aus. Schon im ersten Jahr wurde sichtbar, dass unsere Vision von Community Realität wurde: mit 44 neuen Mietern, ersten Festen und einer spürbaren Lebendigkeit. Die Erfahrung zeigt mir: Wer mit ehrlicher Absicht und klaren Werten startet, findet diese Haltung im Ergebnis wieder. Dieses Mindset ist mir wichtiger geworden als jeder Mietvertrag oder Verhandlungserfolg – fast wie ein Prinzip von Karma.
Ein Gebäude ist immer so gut wie das Leben, das damit verbunden ist
Die Triodos Bank verfolgt bei der Finanzierung nachhaltiger Immobilien einen ganzheitlichen Ansatz, der weit über Energieeffizienz und Materialauswahl hinausgeht.
Früher wurde hier Malz hergestellt, heute ist die Malzfabrik ein Ort für Kultur, Ökologie und Austausch.
Unweit des Tempelhofer Feldes ebenfalls in Berlin liegt die Malzfabrik. Aus dem aufwendig restaurierten Industriedenkmal ist eine pulsierende Insel der Kreativität und Kultur entstanden, die zu unkonventionellem Denken einlädt. Die Neugestaltung des Areals folgt einem ausgezeichneten Nachhaltigkeitskonzept. So erhielt die IGG Malzfabrik mbH 2011 den Berliner Umweltpreis des BUND in der Kategorie „Wirtschaft und Innovation“.
Im ersten Schritt unterstützte die Triodos Bank die Malzfabrik mit einer Bestandsfinanzierung. Bereits seit 2009 wird das denkmalgeschützte Industrieareal der ehemaligen Mälzerei schrittweise zu einem lebendigen Standort für Produktion, Büro und Veranstaltungen entwickelt. Besonderer Fokus liegt auf liebevoller Restaurierung und ökologischer Optimierung: Originalmaterialien werden aufgewertet und das historische Flair bewahrt. Ressourcen werden geschont und die Spuren der Geschichte bleiben erhalten.
Zukunftsgerichtetes Handeln wird mit Kunst und Kultur ergänzt. Nachhaltigkeit prägt die Auswahl der Mieter:innen, die Bürostrukturen und die Revitalisierung von Freiflächen. Zu den umweltfreundlichen Maßnahmen gehören: Naturstrom, LED-Beleuchtung, Elektromobilität, nachhaltige Bürostrukturen, Revitalisierung von 13.000 qm Brachland zu Parkflächen, Biodiversitätsförderung, Dach- und Fassadenbegrünung sowie Regenwassermanagement.
Die Umsetzung gelingt dank enger Zusammenarbeit mit langjährigen Partner:innen, zu denen auch die Triodos Bank gehört. So werden Synergien geschaffen, die Umwelt, Fairness und Gemeinschaft fördern.
Innovator:innen des zirkulären Bauens
In Deutschland gibt es mehrere Architekturbüros und PropTechs (Technologieunternehmen der Immobilienbranche), die auf nachhaltige Planung, Ressourcenschonung und innovative Konzepte setzen, um die Bauindustrie in eine zukunftsfähige Richtung zu lenken.
LXSY Ein herausragendes Beispiel ist das Berliner Architekturbüro LXSY. Gegründet von Kim Le Roux und Margit Sichrovsky, hat sich das Büro auf zirkuläres Planen und Bauen spezialisiert. Es entwickelt Projekte, die auf Wiederverwendbarkeit, Recyclingfähigkeit und Ressourcenschonung ausgerichtet sind. LXSY setzt neue Standards für die Zukunft der Architektur und hinterfragt etablierte Abläufe in der Baubranche.
Concular ist ein führendes GreenTech-Startup mit Sitz in Berlin, das sich auf die Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft hin zu einer zirkulären Kreislaufwirtschaft spezialisiert hat. Seit über 12 Jahren unterstützt das Unternehmen mit einem interdisziplinären Team von mehr als 70 Expert:innen die Branche dabei, Ressourcen effizienter zu nutzen, Emissionen zu reduzieren und die Lebenszyklen von Gebäuden nachhaltig zu gestalten.
cityförster Ein weiteres bemerkenswertes Projekt ist das Recyclinghaus Hannover, realisiert vom Architekturbüro cityförster. Dieses Gebäude besteht unter anderem aus gebrauchten Fenstern, wiederverwendeten Ziegeln und Ziegelsplitt im Terrazzo. Es gilt als Pionierarbeit für das zirkuläre Bauen in Deutschland.
ZIRKULAAR Architektur Das Büro ZIRKULAAR Architektur setzt zirkuläres Bauen hochwertig und anschaulich um. Ihr Leistungsspektrum reicht von Beratungs-Sessions zum Thema Kreislaufwirtschaft über Design und Entwicklung wiederverwendbarer Raumsysteme bis hin zu Entwurf und Umsetzung zirkulärer Bauprojekte.
Diese Architekturbüros zeigen, wie zirkuläres Bauen in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden kann. Durch innovative Konzepte und nachhaltige Planung leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Transformation der Bauindustrie hin zu mehr Ressourcenschonung und Klimaschutz.
Zur Veröffentlichung des Kommentars bitte den Link in der E-Mail anklicken.
Noch keine Kommentare
Abonniere unseren Newsletter und erhalte regelmäßig Einblicke in unseren Blog „Die Farbe des Geldes“, Informationen zu unseren Veranstaltungen und andere Neuigkeiten aus der Triodos-Welt in deinen Posteingang.
Vielen Dank für den Kommentar!
Zur Veröffentlichung des Kommentars bitte den Link in der E-Mail anklicken.