Während die Babyboomer nach und nach aus dem Erwerbsleben ausscheiden, ist die jüngste Generation Alpha die erste Bevölkerungsgruppe, die vollständig im 21. Jahrhundert aufwächst. Maßgeblich für Konsum, Lebensstil und gesellschaftliches Engagement sind heute vor allem die Generationen X, Y und Z. Hauptsächlich sie sind es, die die entscheidenden Lebensbereiche, wie Erwerbsleben, Familiengründung, Kaufentscheidungen und politisches Engagement, prägen. Doch welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in den einzelnen Kohorten, und welche Unterschiede lassen sich erkennen? Können sie entscheidenden Einfluss nehmen auf den Weg in eine klimagerechtere Zukunft?

Generation X (Jahrgänge 1965 bis 1979):

Die pragmatischen Realisten

Als Kinder der späten Nachkriegszeit fiel die Jugend der „X-ler“ in eine Zeit, in der Umweltprobleme erstmals laut diskutiert wurden. Diese Generation steht für die Schlagworte „Waldsterben“ und „Ozonloch“ sowie erste hitzige Debatten rund um das Thema Atomkraft. Zugleich prägten Ölkrisen, steigende Arbeitslosigkeit und die Erfahrung gesellschaftlicher Umbrüche ihre Weltsicht.

Solarpanele auf einem Einfamilienhaus

Die Generation X wurde damit konfrontiert, mit Unsicherheiten umzugehen und praktische Lösungen zu suchen. Heute verfügt diese Bevölkerungsgruppe über solide finanzielle Ressourcen und trifft viele Entscheidungen mit langfristiger Wirkung – sei es beim Wohneigentum, bei der Altersvorsorge oder bei der Geldanlage. Nachhaltigkeit spielt dabei zunehmend eine Rolle. Wer ein Eigenheim saniert, setzt häufig auf Energieeffizienzstandards, Solaranlagen oder Wärmepumpen. Auch bei der Geldanlage zeigt sich diese Kohorte offen für beispielsweise nachhaltige Fonds oder Immobilienprojekte, die Rendite mit Verantwortung verbinden.

Verantwortung mit Weitblick

So trägt die Gen X durch ihr pragmatisches Handeln dazu bei, dass ökologische Kriterien in grundlegende Lebensentscheidungen einfließen. Besonders stark ist das Bewusstsein ausgeprägt, dass nachhaltiges Handeln den nachfolgenden Generationen zugutekommt. So gaben in einer Befragung des Umweltbundesamts rund 70 Prozent der 45- bis 59-Jährigen an, sich beim Konsum vor allem von Verantwortung gegenüber den eigenen Kindern bzw. den zukünftigen Generationen leiten zu lassen1. Nachhaltigkeit wird hier häufig als Fürsorge verstanden – man möchte intakte Lebensgrundlagen weitergeben.

Generation Y (Jahrgänge 1980 bis 1994):

Die Sinnsuchenden

Die „Millennials" sind mit dem Internet groß geworden, gleichzeitig aber auch mit Krisenerfahrungen wie der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008. Beides hat Spuren hinterlassen: Einerseits die Offenheit für Neues, andererseits das Bewusstsein, dass wirtschaftliche Stabilität nicht selbstverständlich ist.

Einkaufende Frau im Supermarkt neben der Gemüseauslage

Die Generation Y ist inzwischen in der Mitte ihres Lebens angekommen und prägt viele Alltags- und Konsumtrends. Ihr Verhältnis zur Nachhaltigkeit wird stark von Fragen nach Sinn und Lebensqualität bestimmt. Das zeigt sich beispielsweise bei der Ernährung: Der Boom von vegetarischen und veganen Angeboten und Bio-Supermärkten wurde stark von dieser Generation vorangetrieben. Auch im Bereich Mobilität hat die Gen Y neue Maßstäbe gesetzt – etwa durch die Nutzung von Carsharing-Angeboten oder E-Bikes, die in vielen Städten zum Alltagsbild gehören. Familienorientierte Millennials achten zudem darauf, dass ihre Kinder in Kitas mit Bio-Essen oder Umweltprojekten betreut werden.

Preis und Nachhaltigkeit als Kaufentscheidung

Second Hand Kleidung auf der Kleiderstange

Überhaupt suchen viele Millenials nach Alternativen zur klassischen Konsumgesellschaft und stellen das eigene Handeln stärker infrage. Laut einer aktuellen PwC-Studie geben zum Beispiel fast drei Viertel der Befragten an, regelmäßig Secondhand-Produkte zu kaufen2. Nicht als Verzicht, sondern als Möglichkeit, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig individuell zu bleiben.

Diese Haltung zeigt sich auch im Konsum von Medien und Informationen: Millennials recherchieren Hintergründe, lesen Nachhaltigkeitsberichte oder folgen Influencer:innen, die glaubwürdige Alternativen aufzeigen.

Generation Z (Jahrgänge 1995 bis 2012):

Die digitalen Idealisten

Content Creator fotografieren Pizza

Diese Bevölkerungsgruppe ist die erste Generation, die vollständig in der digitalen Welt aufgewachsen ist. Informationen sind immer „nur einen Klick entfernt“, ebenso wie Vorbilder für nachhaltige Lebensweisen. Der Generation Z wird ein geschärftes Bewusstsein für globale Zusammenhänge zugesprochen – vom Klimawandel bis zu unfairen Arbeitsbedingungen.

Nachhaltigkeit bedeutet für viele aus dieser Kohorte keine „nette“ Zusatzoption, sondern eine Grundvoraussetzung. Laut einer Befragung des World Economic Forum von 2022 bevorzugen rund drei Viertel der Befragten Marken und Produkte, die nachhaltig sind – selbst wenn diese etwas teurer sind3. Gleichzeitig ist die Erwartungshaltung hoch: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sollen glaubwürdig handeln und Transparenz zeigen. Die Gen Z ist sehr sensibilisiert für Greenwashing, Verdachtsfälle werden häufig über soziale Netzwerke öffentlich gemacht.

Moralisches Korrektiv

Fridays for future Demo Brandenburger Tor

Die jüngste der drei untersuchten Gruppen bringt neue Werte in Ausbildung, Beruf und Öffentlichkeit ein. Die Gen Z fungiert in gesellschaftlichen Fragen häufig als moralischer Spiegel für die Älteren. Nicht selten versteht sie sich als Generation, die Missstände offenlegt und damit ein generelles Umdenken anregt. Auch bei der Berufswahl fragen viele gezielt nach Klimastrategien und Nachhaltigkeitsberichten potenzieller Arbeitgeber. Gleichzeitig ist die Gen Z auf der Straße präsent: Die Fridays-for-Future-Demonstrationen haben das Thema Nachhaltigkeit mit einer neuen Vehemenz in die gesellschaftliche Debatte gebracht. Auch im Konsum setzt sie Zeichen: Trends rund um Kleidertausch oder Vintage-Mode auf TikTok und Instagram verdanken ihre Popularität maßgeblich dieser Generation.

Nachhaltigkeit:

Kein Generationenprojekt, sondern ein Gemeinschaftswerk

Bei aller Unterschiedlichkeit im Auftreten und in den Lebensumständen verbindet die Generationen X, Y und Z ein wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Sie eint die Überzeugung, dass Ressourcen nicht unbegrenzt verfügbar sind und dass gesellschaftliches Handeln eine Rolle spielt. Allen gemeinsam ist, dass Nachhaltigkeit inzwischen fester Bestandteil ihres Alltagsdenkens ist – wenn auch in differenzierter Ausprägung. Ob durch regionale Ernährung, bewusstes Reisen oder wachsende Nachfrage nach fair produzierter Mode.

Die Unterschiede liegen also weniger im „Ob“ als vielmehr im „Wie. So ergänzt sich das pragmatische Verantwortungsbewusstsein der Gen X mit der Sinnorientierung der Gen Y und der wertegetriebenen Haltung der Gen Z. Jede Kohorte bringt ihre Stärken ein. Im Zusammenspiel entsteht ein vielfältiges, aber dennoch gemeinsames Fundament, das im Stande ist, die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft voranzutreiben.

Quellen:

  1. Umweltbundesamt, Repräsentativumfrage zum Umweltbewusstsein und Umweltverhalten, Klimaschutz und sozial-ökologische Transformation, 20/2022
  2. PwC Studie: Millennials und Gen Z setzen auf Schnäppchen und Nachhaltigkeit, Feb. 2025
  3. World Economic Forum: Klimaversagen und Sozialkrise – Die größten globalen Risiken 2022