Die Entstehung der „Inner Development Goals“ (IDGs)
Die Idee stammt aus Schweden. 2020 kam in Stockholm eine internationale Gruppe von Expert:innen zusammen und gründete die Initiative „Inner Development Goals“ (IDGs). Auch die Ekskäret-Stiftung war beteiligt. Sie vertritt die feste Überzeugung, dass persönliche Entwicklung zu einer bewussteren Gesellschaft führen kann. So war es von Anfang an das Ziel, die große Lücke zwischen Wissen und Handeln zu schließen. Denn die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die „Sustainable Development Goals“ (SDGs), sind bislang nicht erreicht worden.
Nachhaltige Entwicklungsziele: Die Kluft zwischen Wissen und Handeln
Genau darüber schreibt António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen. Er kommt im Vorwort des SDG-Berichts 2024 zum Schluss: „Nur 17 Prozent der SDG-Ziele sind auf dem richtigen Weg“. Fast die Hälfte der Ziele weisen „nur minimale oder mäßige Fortschritte“ auf. Besonders negativ fällt ins Auge: „Der Fortschritt ist bei mehr als einem Drittel der Ziele ins Stocken geraten oder sogar rückläufig.“ Soweit die Bilanz von Guterres. Der Bericht analysiert die Entwicklung der SDGs seit 2015.
Warum Fortschritt neue innere Kompetenzen braucht
Angesichts dieser schlechten Entwicklung fragen sich Expert:innen, ob ein Bewusstseinswandel die Voraussetzungen für die Nachhaltigkeitsziele verbessern könnte. Die sogenannten „Inner Development Goals“ (dt.: Ziele der inneren Entwicklung) sind eine Lösungsidee. Sie wurden ins Leben gerufen, um die menschlichen Fähigkeiten zu fördern, die für eine nachhaltige Zukunft erforderlich sind. Aus der Erkenntnis heraus, dass innere Reife und persönliche Entwicklung ebenso wichtig sind wie äußere Maßnahmen, um globale Herausforderungen zu bewältigen. Die Inner Development Goals spannen einen weiten Bogen auf, um das menschliche Innenleben zu beleuchten.
Das Inner Development Goals Framework vereinfacht das komplexe Feld des menschlichen Wachstums. Es hilft, für nachhaltige Entwicklung relevante innere Kompetenzen zu identifizieren, zu verstehen und zu kommunizieren.
IDGs als Kompass für immateriellen Wohlstand
IDGs dienen als praxisnahe Orientierungspunkte für die persönliche und geistige Entwicklung des Menschen. Sie könnten zu einem Gradmesser für immateriellen Wohlstand werden, wie ihn Meinhard Miegel fordert. Der Sozialwissenschaftler spricht von einer geistigen Wende im 17. und 18. Jahrhundert, der Epoche der Aufklärung und Säkularisierung. „Bis dahin lautete die Antwort auf die Sinnfrage, Gott zu loben und zu preisen und dadurch in den Himmel zu kommen“, so Miegel. „Das Leben wurde als Durchwandern eines Jammertals betrachtet.“
Ganz anders sei das neue Selbstverständnis der Menschen seit der Aufklärung: „Das irdische Dasein wurde zum Sinn des Lebens erklärt, es sollte materiell möglichst opulent sein.“ Die dramatische Konsequenz laut Miegel: „Seitdem ist das Glücks- und Heilsversprechen der säkularisierten Gesellschaften die permanente Mehrung materiellen Wohlstands.“
Diese „permanente Mehrung“ als Ziel führt direkt in die Zwänge der Wachstumsökonomie. Mit einem Verbrauch an Ressourcen, der die ökologischen Grenzen des Planeten sprengt. Der Sozialwissenschaftler Miegel skizziert einen ersten Ausweg, einen Weg der materiellen Einfachheit
Aufbruch zu einer neuen Wohlstandsdefinition
Miegel sieht dabei ein elementares Problem für die Psyche. Seine Schlussfolgerung: „Um dieser Enttäuschung vorzubeugen, muss der Wohlstand der Zukunft sehr viel mehr immaterielle Elemente enthalten, als das in der Vergangenheit der Fall war.“ Dieser immaterielle Wohlstand werde eine Ähnlichkeit aufweisen mit Vorstellungen vom Glück, wie sie vor der Säkularisierung verbreitet waren. Wohlstand wäre befreit von materiellen Zwängen, er ließe sich auch als innerer Reichtum beschreiben. Damit kommen die neuen IDGs ins Spiel, die einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten, indem sie geistige Prozesse des Menschen aufwerten und dokumentieren. Wer sich innerlich entwickelt, kann auch leichter einen Beitrag zur äußeren Entwicklung leisten.
Fazit: Innere Entwicklung als Schlüssel zur Nachhaltigkeit
Die Inner Development Goals eröffnen die Möglichkeit, Wohlstand neu zu definieren – weg von rein materiellen Maßstäben, hin zu einem erfüllten und glücklichen Menschsein. An die Stelle ökonomischen Wachstums tritt geistiges Wachstum. IDGs helfen dabei, die Idee der Nachhaltigkeit mit Leben zu füllen und die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) tatsächlich voranzubringen. In einer „wachstumsbefriedeten Gesellschaft“ (Schneidewind) können innere und äußere Entwicklung Hand in Hand gehen – zum Wohl von Mensch und Planet. Es ist längst Zeit.


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