Weltweit sind mehr als drei Milliarden Menschen mangelernährt, während gleichzeitig die Produktion von Lebensmitteln erheblich zur Umweltverschmutzung beiträgt, den Verlust der biologischen Vielfalt vorantreibt und den Klimawandel verschärft. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, entwickelte die EAT-Lancet-Kommission – ein Zusammenschluss von 37 führenden Wissenschaftler:innen aus 16 Ländern – im Jahr 2019 die sogenannte Planetary Health Diet. Ziel dieses Ernährungskonzepts ist es, bis zum Jahr 2050 rund zehn Milliarden Menschen gesund zu ernähren, ohne dabei die ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten zu überschreiten.ernährt werden, und zwar ohne dabei die ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten zu überschreiten.
So funktioniert die Planetary Health Diet
Die Planetary Health Diet empfiehlt eine ausgewogene Verteilung der Nahrungsmittel auf dem Teller. Insbesondere sollte sowohl aus gesundheitlichen als auch aus Gründen der Nachhaltigkeit bei der Zusammensetzung des Tellers weitestgehend auf rotes Fleisch sowie auf besonders stärkehaltiges Gemüse verzichtet werden.
Das Fazit:
- Leicht zu merken
- Nachhaltig und ressourcenschonend
- Gesund durch gute Nährstoffe
- Flexibel anpassbar an kulturelle Kontexte
- Lässt genug Raum für persönliche Präferenzen
Gesundheitliche Vorteile der Planetary Health Diet
Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass eine konsequente Befolgung dieser Ernährungsweise mit erheblichen gesundheitlichen Vorteilen verbunden ist.
Eine Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health ergab, dass Menschen, die sich eng an die Planetary Health Diet halten, ein um 30 % geringeres Risiko für einen vorzeitigen Tod aufweisen. Besonders bemerkenswert ist, dass dieses reduzierte Sterberisiko alle wichtigen Todesursachen betrifft, einschließlich Krebs, Herzkrankheiten und Lungenerkrankungen.
Die gesundheitlichen Vorteile der Planetary Health Diet lassen sich auf mehrere Faktoren zurückführen:
Nährstoffreiche pflanzliche Lebensmittel:
Die Planetary Health Diet legt großen Wert auf den Verzehr von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten. Diese Lebensmittel sind reich an essenziellen Vitaminen, Mineralstoffen, Antioxidantien und Ballaststoffen, die für eine optimale Körperfunktion und Krankheitsprävention unerlässlich sind.
Reduzierter Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch:
Die Planetary Health Diet empfiehlt eine Begrenzung des Verzehrs von rotem Fleisch auf maximal 98 Gramm pro Woche. Dies steht im Einklang mit Erkenntnissen, die einen übermäßigen Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs und Herzkrankheiten in Verbindung bringen.
Ausgewogene Fettzufuhr:
Die Planetary Health Diet betont die Aufnahme von ungesättigten Pflanzenfetten bei gleichzeitiger Begrenzung gesättigter Fette. Diese Ausgewogenheit kann zur Verbesserung des Lipidprofils beitragen und Entzündungen reduzieren, die oft Vorboten für Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes und Herzkrankheiten sind.
Ballaststoffreiche Ernährung:
Der hohe Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln in der Planetary Health Diet führt zu einer erhöhten Ballaststoffaufnahme. Ballaststoffe spielen eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit und können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten senken.
Omega-3-Fettsäuren:
Die Planetary Health Diet empfiehlt den regelmäßigen Verzehr von Fisch oder alternativen Omega-3-Quellen. Omega-3-Fettsäuren sind bekannt für ihre entzündungshemmenden Eigenschaften und ihre positive Wirkung auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Ökologische Vorteile der Planetary Health Diet
Die Planetary Health Diet bietet nicht nur gesundheitliche Vorteile, sondern kann auch für den Schutz unseres Planeten von großer Bedeutung sein – und zwar in mehrfacher Hinsicht:
Weniger Treibhausgase dank angepasster Ernährung
Ein Drittel der weltweit von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen hängt mit unserer Ernährung zusammen, und das, obwohl rund 800 Millionen Menschen an Hunger leiden und 3,1 Milliarden Menschen sich keine gesunde Ernährung leisten können. Um Hunger und Unterernährung effektiv zu bekämpfen, muss die Nahrungsmittelproduktion weiter ausgeweitet werden. Ohne weitere Treibhausgasemissionen ist das nicht möglich – oder doch?
Mithilfe der Planetary Health Diet könnten laut einer Studie der Universität Groningen die globalen ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen um 17 % gesenkt werden. Dabei könnte die derzeit überkonsumierende Gruppe (56,9 % der Weltbevölkerung) durch Ernährungsumstellungen 32,4 % der globalen Emissionen einsparen und so die zusätzlichen Emissionen zur Ernährungssicherheit der Weltbevölkerung mehr als auffangen.
Mehr Artenvielfalt durch vielfältige Nutzpflanzen

Die Planetary Health Diet basiert auf dem Prinzip, zahlreiche unterschiedliche pflanzliche Lebensmittel in die Ernährung einzubeziehen. So hilft sie dabei, die Vielfalt an Pflanzen und Tieren zu schützen. Das ist wichtig, weil heute auf vielen Feldern immer nur die gleichen wenigen Pflanzen angebaut werden. Viele alte und seltene Sorten verschwinden dadurch. Wenn wir häufiger auf regionale und nährstoffreiche Pflanzen zurückgreifen, können wir diese Artenvielfalt erhalten und die Natur besser schützen.
Ökosysteme schützen durch weniger Fleischkonsum
Die Planetary Health Diet hilft, die Natur und ihre Lebensräume besser zu schützen, weil sie dazu rät, weniger Fleisch zu essen und mehr pflanzliche Lebensmittel zu wählen. Heute nutzt die Landwirtschaft etwa 43 Prozent der eisfreien Flächen der Erde. Davon entfallen 83 Prozent auf die Produktion von tierischen Lebensmitteln wie Fleisch und Milch. Diese Art der Landwirtschaft ist für zwei Drittel der weltweiten Abholzung verantwortlich und trägt dazu bei, dass viele Tier- und Pflanzenarten aussterben. Wenn sich mehr Menschen pflanzenbasiert ernähren, könnten wir laut einer englischen Studie die landwirtschaftlich genutzten Flächen um bis zu 76 Prozent verringern.
Auch beim Wasserverbrauch gibt es große Unterschiede: Für ein Kilogramm Rindfleisch braucht man etwa 43.000 Liter Wasser, für ein Kilogramm Getreide nur rund 1.000 Liter. Wer sich an die Planetary Health Diet hält, kann daher sehr viel Wasser sparen. Außerdem gelangen weniger Düngemittel und Gülle in die Umwelt, weil weniger Tierfutter angebaut werden muss. Das verbessert auch die Wasserqualität in Flüssen und Seen
Muss (planetarisch) gesunde Ernährung teuer sein?
Einen ersten Erklärungsansatz zur Kostenunverhältnismäßigkeit liefert eine 82 % davon entfallen auf die Produktion tierischer Lebensmittel. Vor
Hafermilch besteht im Grunde nur aus Wasser und Hafer. Für die Herstellung von Kuhmilch müssen dagegen Kühe gehalten, gefüttert und medizinisch versorgt werden. Trotzdem kostet Hafermilch oft etwa dreimal so viel wie Kuhmilch. Auch andere pflanzliche Alternativen sind meist teurer als Fleisch oder Milchprodukte.
Ein Grund dafür ist laut einer Studie die Verteilung der EU-Agrarsubventionen: 82 Prozent der Fördergelder fließen in die Produktion von tierischen Lebensmitteln. Besonders Rindfleisch, Hammel- und Ziegenfleisch werden so künstlich verbilligt. Milch bekommt zwar auch Förderungen, aber deutlich weniger. Zusätzlich unterstützen nationale Regelungen wie eine niedrigere Mehrwertsteuer und weitere Vergünstigungen die Milchwirtschaft. Pflanzliche Alternativen werden dagegen oft als Premiumprodukte verkauft, was die Preise weiter erhöht.

Dabei braucht es für eine gesunde, nachhaltige Ernährung nicht immer teure Ersatzprodukte. Viele Nährstoffe lassen sich auch direkt aus natürlichen Lebensmitteln gewinnen. Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen oder Kichererbsen liefern viel pflanzliches Eiweiß, ebenso wie Nüsse, Samen, Haferflocken oder Tofu. Diese Produkte sind meist günstiger als Fertigprodukte und enthalten zusätzlich Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe.
Es ist klar, dass sich die Landwirtschaft nicht von heute auf morgen umstellen lässt. Doch solange Subventionen und Steuervorteile tierische Produkte bevorzugen, bleibt eine nachhaltige Ernährung für viele Menschen teurer. Wenn Politik und Wirtschaft hier umdenken, könnten gesunde und umweltfreundliche Lebensmittel für alle erschwinglich werden.
Die Planetary Health Diet in Deutschland

Nach Angaben von WWF-Deutschland würde eine Anwendung der Planetary Health Diet in Deutschland nicht nur die Treibhausgasemissionen erheblich senken – eine Reduktion von bis zu 48 % der ernährungsbedingten Emissionen wäre möglich – sondern auch den Flächenbedarf für die Landwirtschaft um bis zu 49 % verringern. Der Biodiversitätsverlust könnte ebenfalls stark reduziert werden, insbesondere durch eine geringere Nachfrage nach Futtermitteln wie Soja, deren Anbau oft mit Entwaldung in artenreichen Regionen wie Brasilien einhergeht.
Die gesundheitlichen Vorteile der Planetary Health Diet sind ebenso bedeutend, wie eine andere WWF-Studie belegt. Eine Umstellung auf diese Ernährungsweise könnte das Risiko für chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes senken und die vorzeitige Sterblichkeit in Deutschland um bis zu 20 % reduzieren.
Für Menschen in Deutschland heißt das vor allem: weniger Fleisch essen und öfter auf pflanzliche Eiweißquellen wie Bohnen, Linsen oder Erbsen setzen. Diese Lebensmittel schonen nicht nur die Umwelt, sondern liefern auch wichtige Nährstoffe. In Supermärkten gibt es inzwischen viele Alternativen zu Fleisch und Milch, zum Beispiel Tofu, Tempeh oder Hafermilch, die den Umstieg erleichtern.
Darüber hinaus ist es sinnvoll, regionale und saisonale Produkte zu bevorzugen, um Transportemissionen zu minimieren und die lokale Landwirtschaft zu unterstützen. Obstsorten wie Äpfel oder Beeren aus heimischem Anbau können Zitrusfrüchte ersetzen, die oft aus wasserarmen Regionen importiert werden. Für Vitamin-C-reiche Alternativen bieten sich Hagebutten oder Sanddorn an, die deutlich nachhaltiger produziert werden können.
Jeder kleine Schritt hin zu einer nachhaltigeren Ernährung zählt – sowohl für die persönliche Gesundheit als auch für den Planeten.
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